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KI-Entwicklung im Startup-Umfeld: Tech vs. Business

27% der österreichischen Startups setzen auf KI. Warum Technical Founders und Business-Partner oft aneinander vorbeireden und wie man das löst.

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KI-Entwicklung im Startup-Umfeld: Wenn Nerds und Business-Menschen aufeinandertreffen

Gerade sitze ich hier nach einem Call mit einem Wiener Startup-Duo und denke mir: Das ist wie Österreich bei der Fußball-EM – viel Potenzial, aber irgendwie reden alle aneinander vorbei. Der Technical Founder erklärt mir minutenlang seine elegante Microservices-Architektur, während der Business-Partner nur wissen will, wann endlich die ersten Kunden bezahlen. Kommt euch bekannt vor?

27% der neuen Startups in Österreich setzen auf KI als zentralen Teil ihres Geschäftsmodells. Das ist schon beeindruckend – und gleichzeitig der Grund, warum mein Telefon nicht mehr stillsteht. Denn zwischen "Wir bauen die coolste KI der Welt" und "Wann kriegen wir endlich Geld dafür?" liegen oft Welten. Und genau da wird's interessant für jemanden wie mich, der als KI-Beratung von KI-Alpin beiden Seiten helfen muss, eine gemeinsame Sprache zu finden.

Der perfekte Sturm existiert tatsächlich: Die Technologie wird zugänglicher, die Märkte sind bereit, und die EU-Regulierung schafft gleichzeitig Klarheit und Abgrenzung zu amerikanischen Konkurrenten. Aber darum geht's heute nicht. Heute geht's um das, was ich täglich erlebe – wenn zwei Welten aufeinanderprallen.

Das österreichische KI-Startup-Phänomen

Österreich ist ein interessanter Spielplatz für KI-Startups geworden. Nicht so groß wie Deutschland, nicht so schnell wie die USA, aber mit einer Eigenschaft, die ich schätze: Wir sind skeptisch genug, um nicht jeden Hype mitzumachen, aber innovativ genug, um die wirklich guten Sachen zu erkennen. Die Zahlen sprechen für sich – ein Rekord von 3.568 neuen Startups für 2025, und mehr als ein Viertel davon setzt auf KI-Entwicklung.

Die österreichische Besonderheit liegt aber woanders: Wir haben GDPR ernst genommen, bevor es cool war. Unsere Unternehmen sind datenschutzsensibel, unsere Kunden erwarten lokale Lösungen, und unsere Gründer müssen von Anfang an europäische Standards mitdenken. Das ist manchmal mühsam, aber am Ende ein Wettbewerbsvorteil.

Was ich in den letzten Monaten beobachte: KI wird zum Wachstumstreiber, auch für industrielle Anwendungen. Ein Produktionsunternehmen aus der Steiermark erzählte mir letztens, dass sie ihre Qualitätskontrolle mit einer Computer-Vision-Lösung um 40% verbessert haben – und das für einen Bruchteil dessen, was eine Enterprise-Lösung gekostet hätte. Solche Geschichten höre ich täglich.

Wenn zwei Welten kollidieren

Jetzt zum eigentlichen Problem, über das niemand gerne spricht: Technical Founders und Business Founders reden oft aneinander vorbei wie zwei Touristen ohne gemeinsame Sprache. Der eine erklärt, warum transformer-basierte Architekturen die Zukunft sind, der andere will wissen, ob das bis zum nächsten Finanzierungsmeeting funktioniert.

Typische Szene aus meinem Beratungsalltag: "Simon, kannst du dem erklären, dass wir mehr Zeit für die richtige Implementierung brauchen?" – "Simon, kannst du dem erklären, dass wir in drei Monaten Umsatz brauchen?" Und ich sitze dazwischen und denke mir: Beide haben Recht, beide liegen falsch.

Das Kommunikationsproblem ist real. Der Technical Founder spricht von API-Endpoints und Latency, der Business Founder von Customer Acquisition Cost und Revenue Streams. Was fehlt, ist die Übersetzungsleistung – und genau hier setze ich mit meinem tool-agnostischen Ansatz an. Egal ob n8n, Make, LangChain oder Claude Agents – die Technologie muss dem Business dienen, nicht umgekehrt.

Was schiefläuft, wenn die Kommunikation versagt? Technical Debt häuft sich an, weil der Business-Partner auf schnelle Features drängt. Time-to-Market wird verfehlt, weil der Technical Founder "noch eine kleine Verbesserung" einbauen will. Am Ende sind beide frustriert, und das Startup scheitert nicht an der Technologie, sondern an der fehlenden Verständigung.

Die Microsoft-365-Realitäten

Sprechen wir über etwas Konkretes: Microsoft 365. Fast jedes österreichische Unternehmen nutzt es, fast jedes KI-Startup muss damit umgehen. SharePoint als Datenquelle? Teams für die Kommunikation? Exchange für E-Mails? Das klingt trivial, ist aber ein Minenfeld.

Ein Startup aus Linz wollte eine KI-Lösung für Kundenservice entwickeln und musste feststellen, dass 80% ihrer Zeit für die Integration mit bestehenden Microsoft-Systemen draufging. Undurchsichtige Dokumentationen, Features die hier funktionieren aber nicht da, und ein Support der nicht mehr sagen kann als "wenn ein rotes Rufzeichen auftauft, hast du ein Problem, löse es." Toll.

Die GDPR-konforme KI-Entwicklung ist dabei nicht nur ein Nice-to-Have, sondern existenziell. Österreichische Unternehmen erwarten, dass ihre Daten im eigenen Rechtsraum bleiben. Das bedeutet: EU-basierte Cloud-Provider, lokale Datenverarbeitung, und Transparenz darüber, was mit den Daten passiert. Wer das nicht von Anfang an mitdenkt, wird später teuer nachbessern müssen.

Meine Erfahrung mit Projekten und Case Studies zeigt: Die Integration in bestehende IT-Landschaften kostet mehr Zeit als die eigentliche KI-Entwicklung. Ein österreichisches Mittelstandsunternehmen hatte drei verschiedene CRM-Systeme, zwei ERP-Lösungen und fünf Excel-Sheets, die als "Single Source of Truth" galten. Da hilft die beste KI nichts, wenn die Datenqualität stimmt wie unser Nationalteam ohne Rangnick.

Change Management zwischen Welten

Interne Stakeholder zu überzeugen ist wie Diplomatie – nur schwieriger. Die IT-Abteilung hat Angst vor weiteren Integrationen, die Geschäftsführung will schnelle Ergebnisse, und die Fachabteilungen wissen nicht, was sie erwarten sollen. Ein klassisches österreichisches Problem: Alle wollen mitreden, keiner will Verantwortung übernehmen.

Realistische Roadmaps sind das A und O. Ich arbeite meist mit 30-90-Tage-Zyklen, die beide Seiten verstehen können. Erste Prototypen nach 30 Tagen, funktionsfähige Betas nach 60 Tagen, produktive Versionen nach 90 Tagen. Das ist agil genug für die Techies und planbar genug für die Business-Seite.

ROI-Metriken müssen für beide Seiten Sinn machen. Der Technical Founder versteht "37% weniger API-Calls durch smarte Caching-Strategien", der Business Founder versteht "Kosteneinsparung von €2.400 pro Monat durch optimierte Infrastruktur". Mein Job ist es, beide Sprachen zu sprechen und zu übersetzen.

Praxisbeispiel aus Österreich

Letzten Monat hatte ich einen interessanten Fall: Ein Tech-Gründer aus Graz mit einer brillanten Idee für automatisierte Datenanalyse trifft einen Business-Angel aus Wien. Die Chemie stimmte, das Potenzial war da – aber die Kommunikation war wie ein Dialog zwischen Google Translate und einem Kleinkind.

Die Ausgangssituation: Der Technical Founder hatte ein funktionierendes Machine Learning Model, das Unternehmensdaten analysieren und Vorhersagen treffen konnte. Technisch einwandfrei, aber für Endkunden so zugänglich wie die WKO-Präsidentschaft. Der Business-Angel sah das Potenzial, wusste aber nicht, wie er es vermarkten sollte.

Die Stolpersteine kamen schnell: Der Tech-Gründer wollte das System "richtig" bauen – skalierbar, erweiterbar, mit allen erdenklichen Features. Der Business-Angel wollte schnell erste Kunden gewinnen und Umsatz generieren. Beide Ansätze sind richtig, aber sie vertragen sich wie Ö3 und FM4.

Der Durchbruch kam, als wir über "Assistants" gesprochen haben. Nicht als technische Architektur, sondern als gemeinsame Sprache. Ein Assistant, der Datenanalysen durchführt und in verständlicher Sprache erklärt. Das konnte der Tech-Gründer programmieren, das konnte der Business-Partner verkaufen.

Innerhalb von sechs Wochen hatten wir einen funktionierenden Prototyp, der sowohl technisch sauber als auch kommerziell verwertbar war. Das Budget? €6.500 – deutlich unter dem, was eine Enterprise-Agentur verlangt hätte. Die Lessons Learned: Gemeinsame Sprache finden, realistische Zwischenziele setzen, und beide Seiten ernst nehmen.

Context Engineering als Brückenbauer

Hier wird's interessant: Context Engineering ist nicht nur ein technisches Konzept, sondern eine Kommunikationsstrategie. Es geht darum, der KI (und den Menschen) den richtigen Kontext zu geben, um bessere Entscheidungen zu treffen.

Strategische Frageintelligenz ist dabei der Schlüssel. Statt "Wie können wir unsere KI verbessern?" frage ich: "Welches konkrete Geschäftsproblem soll die KI in den nächsten 30 Tagen lösen?" Das zwingt beide Seiten, konkret zu werden.

Praktische Umsetzung bedeutet: Assistants-Architekturen, die sowohl technisch elegant als auch kommerziell verwertbar sind. Ein Assistant für Kundenservice, der auf bestehende CRM-Daten zugreift. Ein Assistant für Datenanalyse, der komplexe Berichte in verständliche Erkenntnisse übersetzt. Ein Assistant für Projektmanagement, der technische und Business-Meilensteine synchronisiert.

Das Schöne an diesem Ansatz: Er funktioniert mit verschiedenen Tools. Claude für natürliche Unterhaltungen, ChatGPT für strukturierte Aufgaben, lokale Modelle für datenschutzkritische Anwendungen. Tool-agnostisch bedeutet: Lösung passend zum Problem, nicht umgekehrt.

Häufige Fehlerbilder und Frühwarnsignale

Die häufigsten Missverständnisse sind vorhersagbar wie österreichische Wahlkämpfe. "Das dauert nur noch zwei Wochen" vom Technical Founder bedeutet mindestens sechs Wochen. "Das ist ein einfaches Feature" vom Business-Partner bedeutet drei Monate Entwicklungsarbeit.

Technical Debt versus Time to Market ist der ewige Konflikt. Der Techie will sauberen Code, der Business-Partner will schnelle Ergebnisse. Meine Erfahrung: Beides geht, aber man muss ehrlich über die Kosten sein. Schneller Launch bedeutet höhere Maintenance-Kosten später. Sauberer Code bedeutet langsameren Start, aber niedrigere langfristige Kosten.

Frühwarnsignale für scheiternde KI-Projekte: Wenn nur noch eine Seite redet. Wenn "das wird schon" zur häufigsten Antwort wird. Wenn Budgets ohne klare Meilensteine ausgegeben werden. Wenn das Wort "Pivot" öfter fällt als konkrete Zahlen.

Ein besonders kritisches Warnsignal: Wenn externe Berater mehr über das Projekt wissen als die Gründer selbst. Das ist wie beim Zahnarzt – wenn's soweit ist, tut's meist schon richtig weh.

Bewährte Lösungsstrategien

Kommunikationsstrategien, die funktionieren: Wöchentliche Alignment-Meetings mit festen Agenden. Demo-driven Development – jeden Freitag ein funktionyfähiger Prototyp, den beide Seiten verstehen können. Gemeinsame OKRs, die technische und Business-Ziele verbinden.

Tools und Methoden für bessere Zusammenarbeit: Notion für gemeinsame Dokumentation, Slack für schnelle Kommunikation, aber – und das ist wichtig – mit klaren Regeln. Nicht jeder spontane Einfall rechtfertigt eine Nachricht um 23 Uhr.

Externe Unterstützung macht Sinn, wenn interne Kommunikation versagt oder wenn spezifisches Know-how fehlt. Als Über Simon Micheler bringe ich die Übersetzungsleistung zwischen technischen und Business-Anforderungen mit. Aber – und das sage ich ehrlich – nur dann, wenn beide Seiten bereit sind, zuzuhören.

Mein Ansatz ist dabei klar: Befähigung statt Abhängigkeit. Ich baue mit dem Kunden, nicht für ihn. Wissenstransfer, Schulungen und die Fähigkeit zur selbstständigen Weiterentwicklung stehen im Fokus. Nach sechs Monaten sollte das Team eigenständig weiterarbeiten können.

Realitätscheck: Hype versus Wirklichkeit

Lassen wir uns ehrlich sein: Viele Studien über KI-Startups sind wie Wetterberichte – interessant, aber mit Vorsicht zu genießen. Die 27% KI-Anteil bei neuen Startups klingen beeindruckend, aber was bedeutet das konkret? Nutzt jeder vierte Gründer wirklich Machine Learning, oder ist "AI-powered" der neue Consulting-Bullshit-Bingo-Gewinner?

Meine Beobachtung aus der Praxis: Der Großteil der "KI-Startups" nutzt existing APIs von OpenAI, Google oder Microsoft. Das ist völlig legitim und oft der richtige Ansatz, aber es ist kein eigenständiges Machine Learning. Es ist intelligente Integration – und das ist auch wertvoll.

Der Unterschied zwischen deutschen und österreichischen Gegebenheiten ist subtil, aber real. Deutsche Startups denken oft größer, haben mehr Kapital zur Verfügung, aber auch mehr Konkurrenz. Österreichische Startups sind pragmatischer, fokussierter, aber manchmal zu vorsichtig. Beide Ansätze haben ihre Berechtigung.

Eine kritische Gegenposition, die ich häufig höre: "KI ist nur ein Tool, kein Geschäftsmodell." Das stimmt teilweise. KI alleine verkauft sich nicht – die Lösung eines konkreten Problems verkauft sich. Aber KI kann die Art und Weise, wie wir Probleme lösen, fundamental verändern. Das ist der Unterschied zwischen Hype und echter Innovation.

Der Weg nach vorn

Praktische Schritte für Gründer-Teams: Erstens, täglich miteinander sprechen – nicht nur über Features und Deadlines, sondern über Visionen und Ängste. Zweitens, gemeinsame Erfolgsmetriken definieren, die beide Seiten verstehen. Drittens, externen Input holen, bevor die Fronten verhärtet sind.

Wie kann KI-Alpin als neutraler Partner unterstützen? Durch direkten Beraterkontakt ohne Account Manager oder langwierige Pitch-Prozesse. Durch realistische Budgetrahmen zwischen €2.000 und €10.000 statt unrealistischer Enterprise-Preise. Durch agile Umsetzung in 30-90-Tage-Zyklen statt Wasserfall-Projekte, die niemals enden.

Die Zukunft der österreichischen KI-Startup-Landschaft sehe ich optimistisch. Wir haben die technische Kompetenz, die regulatorische Klarheit und – das ist wichtig – die Bodenhaftung, um nicht jeden Hype mitzumachen. Die nächsten zwei Jahre werden zeigen, welche Startups echte Probleme lösen und welche nur auf den KI-Zug aufgesprungen sind.

Mein Rat an alle Technical und Business Founder: Lernt die Sprache des anderen. Nicht perfekt, aber genug, um zu verstehen, was wirklich wichtig ist. Die beste Technologie nutzt nichts ohne funktionierenden Markt, und die beste Geschäftsidee scheitert an schlechter Umsetzung. Aber zusammen? Zusammen könnt ihr tatsächlich etwas bewegen.

Falls Sie sich in diesen Beschreibungen wiedererkennen und Unterstützung bei der Kommunikation zwischen technischen und Business-Anforderungen benötigen, kontaktieren Sie uns für ein erstes Gespräch. Manchmal braucht es nur jemanden, der beide Sprachen spricht.

Über den Autor

Simon Micheler ist Gründer und Innovationsmanager im Bereich Künstliche Intelligenz. Als CEO von KI-Alpin unterstützt er Unternehmen bei der Implementierung moderner KI-Lösungen. Er hat Medien- und Kommunikationswissenschaften an der Universität Wien studiert und ein spezialisiertes Programm für Künstliche Intelligenz an der Universität Oxford absolviert. Mit seiner Erfahrung in Marketing, Produktentwicklung und Unternehmensstrategie kombiniert er technologische Expertise mit einem klaren Fokus auf gesellschaftlichen Mehrwert.