KI-Koordination: Österreichische KMUs ordnen ihre Agents

Österreichische KMUs durchlaufen KI-Wechseljahre: Wildwuchs verschiedener AI-Tools ohne Strategie. Wie Sie Ihre digitalen Assistants koordinieren und echte Effizienz schaffen.

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Die KI-Wechseljahre: Wenn österreichische KMUs ihre Assistants koordinieren müssen

Im Salzburger Maschinenbau-Betrieb läuft folgendes Szenario ab: Die Marketingabteilung schwört auf ChatGPT für Texterstellung, die IT-Abteilung nutzt Microsoft Copilot für Code-Reviews, und der Vertrieb hat sich ein eigenes Tool für Lead-Qualifizierung gebastelt. Alle arbeiten nebeneinander her, keiner weiß, was der andere macht – und am Ende fragt sich die Geschäftsführung, warum die versprochenen Effizienzgewinne ausbleiben.

So wie ich das in den letzten Monaten bei vielen KI-Beratung von KI-Alpin Terminen beobachtet habe, durchlaufen österreichische KMUs gerade eine Art „KI-Wechseljahre". Die ersten Experimente mit Künstlicher Intelligenz sind gelaufen, einzelne Mitarbeiter haben sich ihre digitalen Assistants zurechtgebastelt – aber eine strategische Koordination fehlt völlig. Das Resultat: ein chaotischer Wildwuchs verschiedener KI-Tools, die mehr verwirren als helfen.

Der typische KI-Wildwuchs in österreichischen Unternehmen

Was ich derzeit in österreichischen Betrieben antreffe, erinnert mich an die frühen Internet-Jahre. Jede Abteilung hat ihre eigene Homepage gebaut, keiner hat sich um Corporate Design oder einheitliche Navigation geschert. Heute sehen wir dasselbe Muster bei KI Agenten koordinieren: Marketing arbeitet mit generativen AI-Tools für Content, die Buchhaltung hat einen Chatbot für Rechnungserkennung, und die Personalabteilung testet irgendein HR-Tool mit Machine Learning.

Das Microsoft-365-Umfeld verstärkt diese Entwicklung noch, weil es so niederschwellig ist. Copilot ist bereits da, Teams bietet KI-Features, und SharePoint wird plötzlich zur Datenquelle für alle möglichen Experimente. In einem Wiener Software-Unternehmen, das ich kürzlich beraten habe, fand ich sieben verschiedene KI-Anwendungen vor – alle mit Zugriff auf dieselben SharePoint-Dokumente, aber ohne jede Abstimmung untereinander.

Das Problem dabei ist nicht die Innovationsfreude der Mitarbeiter. Im Gegenteil: Es zeigt, dass das Potenzial erkannt wird. Aber ohne strategische Koordination entstehen Datensilos, Sicherheitslücken und am Ende Frustration, wenn die Tools nicht das liefern, was man sich erhofft hat. Der Maschinenbaubetrieb aus Salzburg, den ich eingangs erwähnt habe, hat in sechs Monaten über 8.000 Euro für verschiedene KI-Abonnements ausgegeben – ohne nennenswerten Mehrwert, weil die Tools gegeneinander gearbeitet haben statt miteinander.

Context-Engineering: Das Fundament koordinierter KI-Systeme

Hier kommt Context-Engineering ins Spiel – ein Begriff, den viele noch nicht kennen, der aber entscheidend ist, wenn man KI Agenten koordinieren will. Im Gegensatz zum oberflächlichen „Prompt Engineering", bei dem es nur um bessere Fragen geht, entwickelt Context-Engineering eine strategische Frageintelligenz für das gesamte Unternehmen.

Concrete bedeutet das: Statt jedem Mitarbeiter beizubringen, wie er ChatGPT richtig fragt, entwickelt man einheitliche Datenstrukturen und Zugriffslogiken, die alle KI-Systeme des Unternehmens verstehen. Die internen SharePoint-Dokumentenlagen werden so aufbereitet, dass verschiedene Assistants darauf zugreifen können, ohne dass dabei Chaos entsteht oder datenschutzrechtliche Probleme auftreten.

In der Praxis funktioniert das etwa so: Ein oberösterreichisches Handelsunternehmen mit 75 Mitarbeitern hatte Produktdaten in Excel-Sheets, Kundenkommunikation in Outlook und Projektdokumente in Teams verstreut. Durch systematisches Context-Engineering haben wir diese Informationen in einer einheitlichen Struktur verfügbar gemacht – nicht durch Migration in neue Systeme, sondern durch intelligente Schnittstellen, die verschiedene KI-Tools nutzen können. Das Ergebnis: Der Vertriebsassistent kann auf dieselben Produktdaten zugreifen wie der Marketing-Chatbot, aber beide bekommen die Information in der Form, die sie für ihre spezifische Aufgabe brauchen.

Ein häufiges Fehlerbild, das ich immer wieder sehe: Unternehmen füttern ihre KI-Systeme mit ungefilterten Rohdaten und wundern sich dann, wenn die Antworten chaotisch oder widersprüchlich werden. Context-Engineering bedeutet, die Daten zuerst zu strukturieren, zu kategorisieren und mit Metainformationen zu versehen, bevor sie in KI-Workflows eingespeist werden.

Roadmap: Vom Chaos zur koordinierten Assistant-Flotte

Aus meiner Beratungserfahrung hat sich ein Drei-Phasen-Modell bewährt, das österreichische KMUs in 30 bis 90 Tagen von der KI-Anarchie zu koordinierten Systemen führt. Der Budgetrahmen liegt dabei meist zwischen 5.000 und 12.000 Euro – deutlich günstiger als die Enterprise-Lösungen der Großberatungen, die oft bei 50.000 Euro anfangen.

In der ersten Phase, die etwa 30 Tage dauert, geht es um Bestandsaufnahme und Konsolidierung. Hier dokumentiere ich gemeinsam mit dem Kunden alle vorhandenen KI-Tools, analysiere die Datenquellen und identifiziere die ersten Quick Wins. Oft lassen sich bereits in dieser Phase drei oder vier verschiedene Tools durch eine einzige, besser konfigurierte Lösung ersetzen. Bei einem Tiroler Tourismusbetrieb konnten wir die monatlichen Tool-Kosten von 850 Euro auf 320 Euro reduzieren, während gleichzeitig die Funktionalität gestiegen ist.

Die zweite Phase konzentriert sich auf Koordination und Standards. Hier implementieren wir einheitliche Context-Standards, integrieren die KI-Tools mit dem Microsoft-365-Ökosystem und schulen die Key User. Besonders wichtig ist dabei die Festlegung von Zugriffs- und Berechtigungsstrukturen – wer darf welche KI-Tools mit welchen Daten füttern. In dieser Phase arbeite ich meist mit n8n oder Make für die Automatisierungen, je nachdem, was besser zur bestehenden IT-Infrastruktur passt.

In der dritten Phase geht es um Optimierung und Skalierung. Performance-Monitoring wird eingerichtet, ROI-Messung implementiert und das Change-Management für die breitere Adoption vorbereitet. Diese Phase ist entscheidend, damit die KI-Koordination nicht wieder in alte Muster zurückfällt. Hier profitiert mein Ansatz davon, dass ich direkter Ansprechpartner bleibe – ohne Account Manager oder Projektleiter-Hierarchien, die oft mehr verwirren als helfen.

Datenschutz und GDPR: Realitätsprüfung für österreichische KMUs

Kommen wir zur Realitätsprüfung: KI Agenten koordinieren bedeutet in Österreich immer auch, GDPR-konform zu arbeiten. Die österreichische Datenschutzbehörde interpretiert die Verordnung in manchen Punkten strenger als deutsche Behörden, besonders bei der Datenverarbeitung durch Drittanbieter.

Praktisch bedeutet das: Wenn Sie verschiedene KI-Tools koordinieren wollen, brauchen Sie für jedes System einen entsprechenden Auftragsverarbeitungsvertrag. Bei US-amerikanischen Anbietern wie OpenAI wird das schnell kompliziert, weil die Datenresidenz nicht immer klar ist. Ich rate meinen Kunden daher oft zu europäischen Cloud-Lösungen oder hybriden Ansätzen, bei denen sensible Daten on-premise bleiben.

Ein konkretes Beispiel aus der Praxis: Ein Wiener Rechtsanwaltskanzlei wollte verschiedene KI-Assistants für Dokumentenanalyse koordinieren. Da ging es nicht nur um Effizienz, sondern um Anwaltsgeheimnis und Mandantenschutz. Wir haben eine Lösung entwickelt, bei der die KI-Koordination über deutsche Server läuft und die Rohdaten das Firmennetz nie verlassen. Das kostete etwa 2.000 Euro mehr als eine Standard-Cloud-Lösung, aber dafür kann die Kanzlei rechtssicher arbeiten.

Für das Risikomanagement empfehle ich immer einen stufenweisen Ansatz: Beginnen Sie mit unkritischen Daten wie öffentlichen Produktinformationen oder Marketing-Content. Wenn die Koordination der KI-Systeme funktioniert und datenschutzkonform läuft, können Sie schrittweise sensiblere Bereiche integrieren. Eine Notfallplanung gehört dazu – was passiert, wenn ein KI-Anbieter plötzlich die AGBs ändert oder ein System ausfällt?

ROI-Messung: Wie Sie den Erfolg koordinierter Assistants bewerten

Die ROI-Messung koordinierter KI-Systeme unterscheidet sich grundsätzlich von der Bewertung einzelner Tools. Statt nur zu fragen "Was bringt mir ChatGPT?", muss man den Gesamteffekt des orchestrierten Systems betrachten.

Quantitative Metriken, die sich bewährt haben: Zeitersparnis pro Mitarbeiter lässt sich relativ einfach messen – vorher/nachher-Vergleiche bei standardisierten Aufgaben. Bei dem Salzburger Maschinenbaubetrieb konnten wir nach der Koordination der KI-Systeme eine durchschnittliche Zeitersparnis von 1,8 Stunden pro Woche und Mitarbeiter nachweisen. Das entspricht bei 30 Vollzeitstellen einem jährlichen Gegenwert von etwa 85.000 Euro.

Wichtiger noch ist oft die Reduktion von Dubletten und Medienbrüchen. Wenn Marketing, Vertrieb und Kundenservice dieselben Produktinformationen aus derselben, KI-aufbereiteten Quelle beziehen, sinkt der Pflegeaufwand drastisch. Eine steirische Möbelfirma hat durch koordinierte Assistants die Anzahl der Produktdaten-Aktualisierungen von 18 auf 3 pro Monat reduziert – bei gleichzeitig höherer Konsistenz.

Qualitative Indikatoren sind mindestens genauso wichtig: Die Adoption-Rate zeigt, ob die Mitarbeiter die koordinierten Systeme wirklich nutzen oder ob sie zu ihren alten, isolierten Tools zurückkehren. Unsere Erfahrung zeigt: Wenn nach drei Monaten noch weniger als 70% der Zielgruppe die neuen, koordinierten KI-Workflows nutzt, stimmt etwas mit dem Change-Management nicht.

Langfristige strategische Vorteile lassen sich schwerer messen, sind aber oft entscheidender: Koordinierte KI-Systeme schaffen eine bessere Datenbasis für weitere Automatisierungen. Ein Unternehmen, das heute seine KI Agenten koordinieren kann, ist morgen in der Lage, komplexere AI-Workflows umzusetzen, die der Konkurrenz noch Jahre voraus sein können.

Change-Management: Menschen mitnehmen, nicht überrollen

Der kritische Punkt – und hier scheitern die meisten Projekte – ist das Change-Management. Österreichische KMUs haben oft eine skeptische Grundhaltung gegenüber "zu viel Technologie". Diese Skepsis ist nicht unberechtigt: Viele haben schon mal ein IT-Projekt erlebt, das mehr Probleme geschaffen als gelöst hat.

Meine Strategie: Ich hole die internen Champions ab – meist ein oder zwei technikaffine Mitarbeiter, die schon erfolgreich mit KI experimentiert haben. Diese Personen werden nicht marginalisiert, sondern zu Multiplikatoren gemacht. Sie kennen die Schmerzpunkte des Unternehmens, haben Glaubwürdigkeit bei den Kollegen und können realistische Erwartungen kommunizieren.

Bewährt hat sich auch der schrittweise Rollout mit messbaren Sofort-Erfolgen. Statt das ganze Unternehmen auf einmal umzustellen, beginnen wir mit einem kleinen Bereich – etwa der Kundenkorrespondenz oder der Angebotserstellung. Wenn die Mitarbeiter dort die Vorteile koordinierter KI-Systeme erleben, entsteht organisches Interesse in anderen Abteilungen.

Ein Gegenbeispiel aus der Praxis: Ein Kärntner Industriebetrieb wollte alle KI-Tools gleichzeitig einführen und koordinieren. Das Projekt ist nach zwei Monaten gescheitert, weil sich die Mitarbeiter überfordert fühlten und zu ihren gewohnten, analogen Prozessen zurückgekehrt sind. Lesson learned: Auch bei der KI-Koordination gilt das österreichische Prinzip "Mit Ruhe und System".

Der Weg aus den KI-Wechseljahren

Die kritischen Erfolgsfaktoren für koordinierte KI-Systeme in österreichischen KMUs lassen sich auf drei Punkte eindampfen: Erstens eine realistische Budgetplanung zwischen 5.000 und 15.000 Euro, die deutlich unter Enterprise-Niveau liegt, aber dennoch professionelle Umsetzung ermöglicht. Zweitens eine schrittweise Implementierung, die Mitarbeiter mitnimmt statt zu überrollen. Drittens eine datenschutzkonforme Architektur von Anfang an – Nachbesserungen sind immer teurer als saubere Planung.

Der Ausblick zeigt: Unternehmen, die heute ihre KI Agenten koordinieren lernen, haben morgen einen entscheidenden Vorteil. Wenn die nächste Generation von AI-Tools kommt – und sie wird kommen –, sind sie bereits in der Lage, neue Technologien schnell und strukturiert zu integrieren. Die phase der KI-Wechseljahre ist zeitlich begrenzt, aber die dabei aufgebauten Kompetenzen sind nachhaltig.

Meine Handlungsempfehlung für österreichische KMUs: Beginnen Sie mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme Ihrer aktuellen KI-Aktivitäten. Oft sind mehr Tools im Einsatz, als die Geschäftsführung weiß. Knüpfen Sie an vorhandene Erfolge an, statt alles neu zu erfinden. Und nehmen Sie sich Zeit für Change-Management – technisch ist KI-Koordination machbar, organisatorisch braucht sie Fingerspitzengefühl.

Falls Sie det Gefühl haben, dass Ihr Unternehmen sich gerade in dieser chaotischen Übergangsphase befindet, lassen Sie uns das bei einem unverbindlichen Gespräch durchleuchten. Bei Über Simon Micheler finden Sie meine direkten Kontaktdaten – ohne Umweg über Account Manager oder Vertriebsabteilungen.

Über den Autor

Simon Micheler ist Gründer und Innovationsmanager im Bereich Künstliche Intelligenz. Als CEO von KI-Alpin unterstützt er Unternehmen bei der Implementierung moderner KI-Lösungen. Er hat Medien- und Kommunikationswissenschaften an der Universität Wien studiert und ein spezialisiertes Programm für Künstliche Intelligenz an der Universität Oxford absolviert. Mit seiner Erfahrung in Marketing, Produktentwicklung und Unternehmensstrategie kombiniert er technologische Expertise mit einem klaren Fokus auf gesellschaftlichen Mehrwert."

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