KI Use Cases finden: Die Kostenfresser-Methode für KMUs

Schluss mit KI-Experimenten ohne Strategie. Die Kostenfresser-Methode hilft österreichischen KMUs dabei, profitable AI-Anwendungen zu identifizieren.

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AI Use Cases identifizieren: Die versteckten Kostenfresser-Methode

Jedes zweite Gespräch mit österreichischen Geschäftsführern beginnt gleich: „Wir wollen auch KI einsetzen, aber wissen nicht wo." Dann folgt meist eine Liste mit ChatGPT-Experimenten und dem vagen Wunsch nach „Effizienzsteigerung". So wie ich das verstanden habe, liegt das Problem nicht am Mangel an KI-Tools, sondern daran, dass die meisten Unternehmen von der falschen Seite ansetzen. Statt mit der Technologie zu beginnen und nach Anwendungen zu suchen, sollten wir zuerst die versteckten Kostenfresser im eigenen Betrieb aufspüren. Diese Methode habe ich in den letzten zwei Jahren bei der KI-Beratung von KI-Alpin entwickelt und mit über 30 österreichischen KMUs erfolgreich umgesetzt.

Die österreichische KMU-Realität ist brutal ehrlich: Begrenzte IT-Budgets treffen auf hohen Digitalisierungsdruck. Während Großkonzerne sechsstellige Beträge für AI-Strategieberatung ausgeben können, müssen KMUs mit €5.000 bis €15.000 Projekten echten Mehrwert schaffen. Hier kommt die Kostenfresser-Methode ins Spiel – ein pragmatischer Ansatz, der dort ansetzt, wo täglich Geld verloren geht, ohne dass es jemand bewusst wahrnimmt.

Die Anatomie versteckter Kostenfresser in österreichischen KMUs

Was sind versteckte Kostenfresser überhaupt? Im Gegensatz zu offensichtlichen Problemen wie defekten Maschinen oder fehlenden Mitarbeitern sind das die unsichtbaren Zeitfresser, die sich in administrative Routinen, redundante Kommunikation und manuelle Datenpflege einschleichen. Eine Studie der KMU Forschung Austria zeigt, dass österreichische Unternehmen durchschnittlich 25-30% ihrer Arbeitszeit mit Tätigkeiten verbringen, die keinen direkten Wertschöpfungsbeitrag leisten.

Typische Bereiche, die ich immer wieder antreffe: Der Vertriebsleiter, der jeden Montag drei Stunden Excel-Reports zusammenstellt. Die Buchhaltung, die monatlich hunderte E-Mails nach Belegen durchforstet. Das Projektteam, das in endlosen Abstimmungsschleifen hängt, weil Informationen in verschiedenen Systemen versteckt sind. Hier liegt der ROI-Hebel für KI-Assistants begründet: Wiederkehrende Nervereien sind die besten Kandidaten für intelligente Automatisierung, weil sie häufig genug auftreten, um Implementierungskosten zu rechtfertigen, aber standardisiert genug sind, um ohne komplexe Algorithmen gelöst werden zu können.

Die 5-Why-Methode, ursprünglich aus der Lean-Produktion, habe ich für die KI-Potentialanalyse adaptiert. Statt nur nach der Ursache von Problemen zu fragen, graben wir tiefer: Warum dauert dieser Prozess so lange? Warum sind diese Informationen nicht verfügbar? Warum müssen diese Daten mehrfach eingegeben werden? Warum ist die Kommunikation zwischen Abteilungen so aufwendig? Warum fehlen uns diese Kennzahlen für Entscheidungen? Jede Antwort führt zur nächsten Ebene – und oft zur Erkenntnis, dass eine intelligente Assistenten-Lösung den wahren Schmerzpunkt treffen könnte.

Ein praktisches Beispiel aus einem Vorarlberger Maschinenbau-KMU: Der Geschäftsführer klagte über „schlechte Rentabilität bei Projekten". Nach der 5-Why-Analyse stellte sich heraus, dass Projektkalkulationen auf veralteten Daten beruhten, weil die Nachkalkulation manuell und zeitaufwendig war. Der eigentliche Kostenfresser: 15 Stunden pro Woche für die Datensammlung aus verschiedenen Systemen, die niemand gerne machte und deshalb oft aufgeschoben wurde. Die Lösung war ein SharePoint-integrierter Assistent, der automatisch Ist-Kosten aus dem ERP-System mit Planwerten abgleicht und Management-Reports generiert.

Systematische Kostenfresser-Analyse: Der 4-Schritt-Prozess

Der erste Schritt ist das Kostenstruktur-Mapping, bei dem wir Zeitaufwand gegen Wertschöpfung abwiegen. Hier nutzen wir intensiv Microsoft 365-Analytics, da die meisten österreichischen KMUs bereits in diesem Ökosystem arbeiten. Teams-Nutzungsstatistiken zeigen uns, wo endlose Meetings stattfinden. SharePoint-Zugriffsmuster verraten, welche Dokumente ständig gesucht werden. Exchange-Daten decken E-Mail-Ping-Pong-Spiele auf. Diese Datenquellen sind GDPR-konform nutzbar und geben uns objektive Einblicke in tatsächliche Arbeitsabläufe – ohne dass Mitarbeiter das Gefühl haben, überwacht zu werden.

Beim Wiederholungsgrad-Assessment erstelle ich eine Frequenz-versus-Komplexität-Matrix. Täglich wiederkehrende, einfache Aufgaben sind perfekte Kandidaten für einfache Assistants. Wöchentlich wiederkehrende, komplexere Prozesse eignen sich für kontextbewusste Ai-Lösungen. Monatliche, hochkomplexe Analysen sind oft besser mit Business Intelligence-Tools zu lösen. Die Matrix hilft dabei, realistische Erwartungen zu setzen und die Implementierungsreihenfolge zu planen.

Der AI-Readiness-Check prüft drei kritische Faktoren: Datenstrukturierung, Change-Management-Bereitschaft und technische Infrastruktur. Sind die relevanten Daten digital verfügbar und halbwegs strukturiert? Ist das Team bereit, Arbeitsweisen anzupassen? Sind die technischen Voraussetzungen im bestehenden IT-Setup gegeben? Hier trennt sich oft die Spreu vom Weizen – manche Unternehmen sind technisch bereit, aber organisatorisch noch nicht. Andere haben die perfekte Lösungsbereitschaft, aber ihre Daten sind noch in Excel-Friedhöfen begraben.

Die Business Case Validation schließt den Kreis. Hier rechnen wir knallhart: Welche Personalkosten fallen für den identifizierten Prozess an? Welche Implementierungskosten entstehen realistisch? Wie lange dauert die Amortisation? Ich arbeite dabei bewusst mit konservativen Schätzungen – lieber positiv überrascht werden als unrealistische Erwartungen wecken. Ein typisches Pilotprojekt kostet zwischen €8.000 und €15.000 und sollte sich innerhalb von 12 Monaten amortisieren. Alles darüber hinaus wird kritisch hinterfragt.

AI-Assistants als Lösungsansatz: Context-Engineering in der Praxis

Aus jedem identifizierten Kostenfresser lässt sich theoretisch ein intelligenter Assistent entwickeln – praktisch kommt es aber auf das richtige Context-Engineering an. Dabei geht es nicht nur um technische Prompts, sondern um strategische Frageintelligenz: Welche Fragen stellt sich der Mitarbeiter in diesem Prozess? Welche Informationen braucht er aus welchen Quellen? Welche Entscheidungen muss er treffen? Diese Fragen übersetzen wir in Assistenten-Logik, die nahtlos in bestehende Microsoft 365-Workflows integriert wird.

Ein konkretes Beispiel aus einem Wiener Handelsunternehmen: Der Kundenservice benötigte täglich Informationen aus CRM, Lagersystem und Buchhaltung, um Kundenanfragen zu beantworten. Statt drei verschiedene Systeme zu öffnen und Daten zu vergleichen, entwickelten wir einen Assistant, der über Microsoft Graph API alle relevanten Kundeninformationen aggregiert und in natürlicher Sprache aufbereitet. Der Effizienzgewinn: Von durchschnittlich 8 Minuten pro Anfrage auf 2 Minuten – bei gleichzeitig vollständigeren und aktuelleren Informationen.

Die Implementierungsroadmap folgt einem bewährten 30-90-Tage-Rhythmus. In den ersten 30 Tagen entsteht der Proof of Concept mit ersten messbaren Ergebnissen. Hier geht es primär darum, die technische Machbarkeit zu beweisen und erste Akzeptanz bei den Anwendern zu schaffen. Phase zwei erweitert den Funktionsumfang und optimiert basierend auf ersten Nutzungserfahrungen. Die finale Phase schließt die Vollintegration ab und etabliert Change-Management-Prozesse für nachhaltigen Erfolg.

Kritische Erfolgsfaktoren sind dabei konsistente Kommunikation mit den betroffenen Mitarbeitern, realistische Erwartungshaltung bezüglich der Ergebnisse und kontinuierliches Monitoring der tatsächlichen Nutzung. Häufige Stolpersteine entstehen durch unvollständige Datenquellen, unterschätzte Komplexität in scheinbar einfachen Prozessen und mangelnde Bereitschaft zur Arbeitsweisenanpassung bei einzelnen Teammitgliedern.

Österreichisches Praxisbeispiel: Vom 40-Stunden-Reporting zum 4-Stunden-Assistant

Ein traditioneller Großhandel aus der Steiermark kämpfte mit einem klassischen KMU-Problem: Das wöchentliche Bestandsmanagement-Reporting band zwei Vollzeit-Mitarbeiter für jeweils einen ganzen Tag. Excel-Listen aus dem ERP-System wurden manuell bereinigt, mit Lieferantendaten abgeglichen und in PowerPoint-Präsentationen für das Management aufbereitet. Der Frust war groß, die Fehlerquote hoch, und aktuelle Marktentwicklungen flossen verzögert ein.

Die Lösung war ein SharePoint-integrierter AI-Assistant, der automatisch ERP-Daten importiert, Bestandsbewegungen analysiert und Prognosemodelle auf Basis historischer Verkaufsdaten erstellt. Statt manueller Excel-Akrobatik generiert der Assistant jetzt automatisch Executive Summaries mit Handlungsempfehlungen. Das Ergebnis: 85% Zeitersparnis bei gleichzeitig 40% genaueren Prognosen, weil der Assistant auch externe Faktoren wie Saisonalität und Lieferantenperformance kontinuierlich berücksichtigen kann.

Besonders interessant waren die Lessons Learned: Was sofort funktionierte, war die Datenextraktion und -bereinigung – hier spielten die Stärken von AI-Assistants voll aus. Nachjustierung brauchten dagegen die Prognosemodelle, weil branchenspezifische Faktoren erst schrittweise integriert werden mussten. Die GDPR-Compliance stellte sich als weniger problematisch heraus als befürchtet, da alle Daten im österreichischen SharePoint-Tenant blieben und keine personenbezogenen Informationen verarbeitet wurden.

Das Change Management verlief überraschend glatt. Die betroffenen Mitarbeiter waren von Anfang an Projektverbündete, weil sie die wöchentliche Routinearbeit als frustrierend empfanden. Entscheidend war die transparente Kommunikation, dass der Assistant ihre Arbeit erweitert, nicht ersetzt – sie konzentrieren sich jetzt auf strategische Analysen statt auf Datenwartung.

Erfolgsmessung und ROI-Tracking

Quantitative Metriken für AI-Assistant-Projekte sind relativ einfach zu erfassen: Zeitersparnis in Stunden pro Woche, Kostenreduktion in Euro pro Monat, Fehlerreduktion in Prozentpunkten. Schwieriger wird es bei qualitativen Faktoren wie Mitarbeiterzufriedenheit oder Prozessverbesserung. Hier arbeite ich mit regelmäßigen Kurzbefragungen und längerfristigen Trend-Analysen.

Das Langzeit-Tracking ist besonders wichtig, weil AI-Assistants oft ihre volle Wirkung erst nach mehreren Monaten entfalten. Mitarbeiter brauchen Zeit, um Vertrauen in die Ergebnisse zu entwickeln und ihre Arbeitsweisen anzupassen. Gleichzeitig verbessern sich die Assistenten durch kontinuierliches Lernen und Anpassungen. Ich empfehle deshalb mindestens sechs Monate intensive Betreuung nach dem Go-Live.

Häufige Fehlerbilder, die ich immer wieder beobachte: Überschätzte Automatisierungsgrade führen zu Enttäuschung, wenn manuelle Nachbearbeitung notwendig bleibt. Unterschätzte Change-Management-Aufwände können Projekte zum Scheitern bringen, wenn Mitarbeiter nicht ausreichend eingebunden werden. Besonders kritisch ist mangelhafte Datenqualität – AI-Assistants verstärken bestehende Datenprobleme, lösen sie aber nicht magisch auf.

Die Kostenfresser-Methode als Wettbewerbsvorteil

Warum ist dieser Ansatz nachhaltiger als trend-basierte AI-Projekte? Weil er bei echten Geschäftsproblemen ansetzt, nicht bei technologischen Möglichkeiten. Unternehmen, die ihre Kostenfresser systematisch durch intelligente Assistenten ersetzen, schaffen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil, während andere noch experimentieren.

Die Frage nach interner AI-Kompetenz versus externer Unterstützung stelle ich pragmatisch: KMUs sollten operative AI-Kompetenz aufbauen, strategische Weichenstellungen aber extern begleiten lassen. Meine Erfahrung bei unseren Projekten und Case Studies zeigt, dass die erfolgreichsten Implementierungen entstehen, wenn externe AI-Expertise mit internem Domänen-Wissen kombiniert wird – ohne langwierige Konzernprozesse oder überzogene Beratungsgebühren.

Der Ausblick für die nächsten 12 Monate ist vielversprechend: AI-Assistants werden preiswerter, benutzerfreundlicher und GDPR-konformer. Gleichzeitig steigt der Druck auf KMUs, Effizienzpotentiale zu heben. Unternehmen, die jetzt mit der Kostenfresser-Methode beginnen, werden in einem Jahr deutliche Wettbewerbsvorteile haben.

Ihr Weg zur AI-Implementierung sollte mit einer ehrlichen Selbst-Assessment beginnen: Wo verlieren Sie täglich Zeit mit wiederkehrenden, nervigen Aufgaben? Welche Informationen sind schwer zugänglich, obwohl sie digital existieren? Welche Entscheidungen werden zu oft aufgeschoben, weil die Datenlage unklar ist? Diese Fragen sind der erste Schritt zur Identifikation Ihrer wertvollsten AI Use Cases.

Wenn Sie merken, dass die Antworten komplex werden oder Sie Unterstützung bei der systematischen Analyse brauchen, wird externe Expertise sinnvoll. Bei Simon Micheler, CEO von KI-Alpin, erhalten Sie direkten Zugang zu pragmatischer AI-Beratung ohne Account Manager-Hierarchien oder Konzernstrukturen – mit realistischen Budgetrahmen zwischen €5.000 und €15.000 für Pilotprojekte, die sich innerhalb eines Jahres amortisieren.

Über den Autor

Simon Micheler ist Gründer und Innovationsmanager im Bereich Künstliche Intelligenz. Als CEO von KI-Alpin unterstützt er Unternehmen bei der Implementierung moderner KI-Lösungen. Er hat Medien- und Kommunikationswissenschaften an der Universität Wien studiert und ein spezialisiertes Programm für Künstliche Intelligenz an der Universität Oxford absolviert. Mit seiner Erfahrung in Marketing, Produktentwicklung und Unternehmensstrategie kombiniert er technologische Expertise mit einem klaren Fokus auf gesellschaftlichen Mehrwert.

Quellen

[PDF] Artificial Intelligence Potenzial Österreich: Zahlen, Daten, Fakten

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[PDF] Anwendungen generativer Künstlicher Intelligenz & Konsument:innen

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Mit der breiten und oft kostenlosen Verfügbarkeit von generativen KI-Anwendungen wie ChatGPT ist generative Künstliche Intelligenz (generative KI) im.

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